Alle Jahre wieder:

Es weihnachtet sehr.

Schon Monate im Voraus haben sämtliche Kaufhäuser auf das Weihnachtsgeschäft umgerüstet, Glühwein und Eierpunsch erleben ihr alljährliches Verkaufshoch und mit Einbruch der dunklen, kalten Winterszeit werden die Lichterketten und die Dekoration aus dem Keller geholt, so dass das Heim abends in gemütlichem Licht erstrahlt. Rechtzeitig die Weihnachtsgeschenke gekauft, damit man dem Gewühle und den endlosen Schlangen vor der Kasse entgeht – mit Dauerbrennern wie Parfüm, Büchern und Unterhaltungselektronik liegt man immer richtig. Friede, Freude, Eierkuchen: Es kann kommen, das Fest der Liebe!

Etwa 250 Euro plant der Durchschnittsbürger für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Damit die Geschenke auch schön festlich aussehen, wird natürlich nicht an glitzerndem Geschenkpapier, Schleifchen und Bändern gespart: 8000 Tonnen Geschenkpapier werden zu Weihnachten verbraucht, überwiegend aus Urwaldholz hergestellt. Das entspricht 40 000 gefällten Bäumen. Dazu kommen circa 28 Millionen, die als Weihnachtsbäume gedacht sind, 80% davon in Monokulturen gezüchtet und kräftig gespritzt und gedüngt. Nordmanntannen werden bevorzugt aus anderen EU-Ländern, allen voran Skandinavien, importiert, wodurch eine zusätzliche Umweltbelastung durch CO2 entsteht. Am ersten Weihnachtstag werden ferner 120 Millionen Kilowattstunden Strom mehr als im Schnitt verbraucht (so viel benötigen sonst etwa 34.000 Haushalte im ganzen Jahr).
In zwei Dritteln aller Haushalte kommt zu Weihnachten Gans auf den Tisch. Meistens ein tiefgekühltes Federvieh aus dem Discounter, aus Polen oder Ungarn importiert, das in wenigen Wochen durch brutale Zwangsernährung auf Weihnachtsbraten-Gewicht gemästet wurde. Zuweilen werden die Gänse sogar bei lebendigem Leib gerupft, damit die nachwachsenden Daunen sich auch noch verkaufen lassen. Alle Jahre wieder. Fröhliche Weihnachten.

Dabei könnte es auch anders aussehen… Für alle, die Weihnachten feiern, hier ein paar Tipps: Weihnachtsbäume müssen nicht über lange Strecken eingeführt werden. Am besten ist natürlich, man kauft den Baum direkt beim Förster. Er bietet Bäume an, die ohnehin bei der Waldpflege gefällt wurden. Teilweise besteht auch die Möglichkeit, Bäume unter Anleitung selbst zu schlagen. Alternativ dazu kann ein Baum aus ökologischem Anbau bedenkenlos gekauft werden, erkennbar beispielsweise an dem Siegel des FSC (Forest Stewardship Council). Diese NGO setzt sich für nachhaltige Waldbewirtschaftung ein und bietet einen elektronischen „Marktplatz“ fürFSC-Holzprodukte aller Art. Ein PVC-Bäumchen mag zwar auf den ersten Blick umweltfreundlicher weil wiederverwendbar erscheinen, wird aber auch irgendwann unansehnlich und wandert auf den weiter wachsenden Müllberg.
Auch beim Baumschmuck lässt sich die Umwelt schonen: Lichterketten sollte man nicht Tag und Nacht angeschaltet lassen – was nützt der Lichterglanz, wenn kein Mensch im Raum ist? Energie sparender und fast noch gemütlicher lässt Kerzenlicht das weihnachtliche Wohnzimmer erstrahlen (hier sollte man allerdings Kerzen aus natürlichem Material wie Stearin oder Bienenwachs wählen: Paraffin-Kerzen sind nicht nur unökologisch, sie rußen auch stärker). Anstelle von Lametta und bunten Kunststoff-Figuren bietet sich als Baumschmuck alles an, was aus der Natur kommt: Strohsterne, Zimtstangen, Figuren aus Wachs. Auf Kunstschnee aus der Sprühdose sollte man verzichten: Schneeflocken aus Watte bieten eine umweltfreundlichere Alternative. Und wer seinen Baum mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen dekoriert, kann dann die Weihnachtszeit über davon naschen.

Geschenke lassen sich auch in verziertes Altpapier oder in bunte Seiten aus Zeitungen verpacken. Tapeten- und Stoffreste eignen sich bestens als Deko-Elemente. Derart verpackte Geschenke sind persönlicher und der Kreative kann sich richtig austoben.
Aber was soll man nur schenken? Bei dem allweihnachtlichen Gehetze durch die Stadt, getrieben von dieser einen Frage, lohnt ein Blick auf ein paar Alternativen. Warum Geld für ein Buch ausgeben, das dann doch nur ungelesen im Schrank steht? Die schönsten Geschenke sind die einfallsreichen. Leider verwerfen immer mehr Menschen den Gedanken, Selbstgebasteltes oder -geschriebenes zu schenken. Dabei ist doch eine liebevoll zusammengestellte Fotocollage, ein selbst gekochtes Essen oder eine gut vorbereitete gemeinsame Unternehmung um einiges schöner als die immer gleichen Dauerbrenner. Für „nachhaltiges Schenken“ bieten sich natürlich auch fair gehandelte Produkte an: Wer derlei ganz in der Nähe sucht, sollte mal im Welthaus an der August-Bebel-Straße vorbei schauen.

Eine Überlegung wert ist auch, anstelle großer, eigentlich doch überflüssiger Geschenke eine Spende zu verschenken. Viele gemeinnützige Organisationen sind finanziell auf Spenden angewiesen; ein Spendensiegel, beispielsweise vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen ausgegeben, bietet Sicherheit, dass das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen sollte. Zu erwähnen ist allerdings, dass Organisationen für den Erwerb eines derartigen Siegels Geld (ca. 500 Euro) zahlen müssen, das erst einmal in die Verwaltung und den Werbeetat fließt.
Andererseits wird so die Überprüfung der Seriosität der Organisationen finanziert – und Hilfsaktionen in Katastrophen- oder Krisengebieten kosten viel Geld, das auch geworben werden muss (die Verwaltungskosten dürfen indes 35% nicht überschreiten, sonst wird kein Spendensiegel zuerkannt). Natürlich kann man ebenso ortsansässige Initiativen oder Vereine unterstützen oder einfach mal seinen Nachbarn helfend unter die Arme greifen. Damit „Weihnachten“ keine leere Phrase bleibt.

Fröhliche Weihnachten!

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